westerwald MTB spezial – rentner, ruinen, und andere kulturschocks

Ich weiß,  vielleicht etwas verwirrend der Titel, aber irgendwie kam mir das als Erstes in den Sinn, nach den Erlebnissen vom Pfingstsonntag. Das war sicherlich die Restverarbeitung einiger Eindrücke abseits vom Wald, mehr im urbanen Bereich.

Der Titel könnte aber auch sehr gut lauten:  westerwald MTB all in – felsige trails, feinste bikeparks und schroffe Natur. Und zum Glück beschreibt auch das die vorherrschenden Eindrücke dieser wirklich super abwechslungsreichen, fantastischen Tour, die mir mein Freund Michael Darr mal wieder präsentiert hat.

Aber erstmal zurück zum urbanen Bereich und den damit verbundenen Eindrücken. Nach ca. 2 Stunden ging es mit unseren All-Mountainbikes nach einer ausführlichen Rast am Concordiaturm oberhalb von Bad Ems wieder mit viel Motivation, und nach einigen engen Turns in den steilen seitlichen Flanken des Gebirgszuges, auch wieder mit der Extraportion Adrenalin, auf wilden Trails tief ins Lahntal.

HÖHENMETER DER TOUR 1432 

Trails, auf denen Du besser mit voller Konzentration die vor dir liegende korrekte Fahrlinie anvisierst, statt den Blick in die teilweise eine Handbreit neben dem Reifen wegbrechenden steilen Flanken zu lenken. Aber nach wenigen Minuten und den ersten zwei bis drei engen Turns mit kontrolliert herumrutschendem Hinterrad, war die gewohnte, konzentrierte Anspannung wieder vorhanden, und der Fahrrhythmus von Michael, der teils vor, teils hinter mir fuhr, und in dessen Bewegungen und Reflexion ich mich selber sah, ließen keinen Zweifel darüber, dass alles war hier und jetzt in jeder einzelnen Sekunde passierte, sich hundertprozentig richtig und komischerweise auch sicher anfühlte, gleichzeitig aber keinen Spielraum ließ für Unkonzentriertheit oder abschweifende Gedanken. Jeder der das erlebt hat, weiß genau wovon ich spreche… Diese Erfahrungen, in denen Zeit, Raum, Bewegung und Geist zu einer einzigen Wahrnehmung verschmelzen und die Dynamik die aus vielen tausend kleinen Entscheidungen, die auf einer anspruchsvollen Abfahrt in Millisekunden durch die Verschmelzung von Erfahrung und Intuition ermöglicht wird, sind bzw. ist einzigartig.

Dort unten angekommen ging es dann flussaufwärts an der Lahn entlang Richtung Bad Ems, einem historischem Heilbad mit viel alter Architektur, Spielcasino und dem entsprechendem Puklikum. Durch den oben beschriebenen Abfahrtsrausch, ganz nah bei uns selbst, ganz  nah bei Mutter Natur, kam uns das Kontrastprogramm mit all den ´´Figuren´´ jeglicher Couleur, die Kinder, E-Bikes und anderes vor sich herschoben, wirklich skurril vor.  Wir wollten noch einen Halt für einen Cappuccino in einem der wirklich netten Cafés machen, aber wir haben es einfach nicht hinbekommen.

Zu schräg kam uns das Treiben in dem netten Örtchen an der Lahn vor, zu weit waren wir doch im Kopf entfernt von diesem Ort, in unserer eigenen Welt, eine gemeinsame Welt die von den gemeinsamen Erfahrungen lebt.

REINE FAHRTZEIT DER TOUR 3 H 13 MIN 13 SEK

Eine Welt im Geiste, die aber nur einige hundert Meter nach dem letzten Café (ich konnte dort Michael doch noch zur kurzen Einkehr für einen schnellen Cappuccino überreden) , mit einem einfachen Waldweg wieder Realität annahm, und uns wieder ohne lästige Nebengedanken und nutzlosen Bewertungen in ihren Bann zog.

In den Bann gezogen hat uns der Westerwald schon zu Beginn der Tour nach wenigen Minuten. Nach der Abfahrt von unserem Startpunkt in Eitelborn, hieß es  hundert Meter geradeaus, rechts, links, rechts… und wir waren von Maigrün umgeben und stürzten den ersten lockeren, flowigen Trail hinunter, der uns teils über offene Wiesenflächen, teils durch Mischwälder ins erste Tal führte. Unser erstes ´High´.

PAUSEN UND FOTOZEIT DER TOUR 2 H 7 MIN 39 SEK

Tal bedeutet für einen Mountainbiker natürlich, dass der nächste Berg nicht weit ist. So war es auch, aber eins nach dem anderen.

Michael führte uns über verwunschene kleine Trails die seitlich zu einem Bach auf einer Höhenlinie parallel  zum Berg lief,  bevor wir den ersten, ernsthaften Höhenmetern nach oben nicht mehr ausweichen konnte. Aber am Ausgang des Trails sah es nach einer Sackgasse aus,… Nein, der Trail endete auf einer großen, weitläufigen Wildwiese, die in den letzten Wochen wahrscheinlich einen solchen Zuwachs hatte, dass der weiterführende Pfad darauf nicht mehr zu erkennen war.  Ohne wirklich den Untergrund zu sehen preschten wir über diesen Pfad zwischen Wildblumen und Gräsern und hatten unser zweites ´High´.

Das half uns sehr für unsere darauf folgenden strammen Höhenmeter, die uns über trockene Waldwege in die Höhe führten.

Langsam merkte ich, das Michael eine Tour für diesen Tag im Kopf hatte, er aber viele Entscheidungen bezüglich ´rechts oder links´ intuitiv fällte. Er hatte diese Kombination von Routen auch noch nicht abgefahren, so das uns einige dieser Entscheidungen auf neue Wege brachte und auch ihn plötzlich in größtes Erstaunen versetzte.

Plötzlich standen wir im dichten Wald vor einer riesigen Ruine. Obwohl Michael in der Region aufgewachsen ist und mittlerweile seit Jahren in genau dieser Gegend mit dem Mountainbike unterwegs ist, wusste er bisher nicht von der Existenz dieser wirklich grandiosen Burgruine tief im Westerwald. Nach einer kleinen Fotopause fuhren wir begeistert weiter und unterhielten uns darüber, wie spannend es doch ist, in der direkten Heimatumgebung immer wieder noch etwas Neues zu entdecken. Ähnliche Situationen hatte ich beim Biken auch schon öfters in meinen Homespots rund um Hagen erfahren. Im wahrsten Sinne des Wortes.

GESAMTKILOMETER DER TOUR 35 K 290 M

Was folgte waren viele tolle Eindrücke, die, würde ich so detailliert mit meinem Schreiben fortfahren ein kleines Büchlein füllen würden.

Ein Highlight ist sicherlich noch die Einbindung des Bad Emser Bikeparks in die Tour. Ein schönes Gefälle, steile und hohe Anlieger, Sprünge mit Gaps, eine große Holzwippe und andere Northshore-Trail ähnliche Holzhindernisse ließen für mich keine Zweifel aufkommen, dass ich hier nicht alles geben musste und ich den Zustand wie zu Beginn bei der Abfahrt Richtung Lahntal beschrieben, nicht erreichen werde. Warum? Ich habe einfach keine Bikeparkerfahrung und suche auch eher Naturtrails abseits vom Biketourismus. Also hieß es kein Risiko eingehen und den ein oder anderen Sprung auslassen, was aber nicht verhindern konnte, dass ich definitiv großen Spaß hatte und erahnen konnte, dass auch hier mit der nötigen Erfahrung, wie Anfangs beschrieben Zeit, Raum, Bewegung und Geist zu einer einzigen Wahrnehmung verschmelzen.

GESAMTFAHRTZEIT DER TOUR 5 H 20 MIN 52 SEK

Video der Tour kommt bald, in Bearbeitung von Michael Darr. Darin werden auch schöne Aufnahmen vom Bad Emser Bikepark sein. Hat er versprochen…..

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